Längst hat sich das Thema Nachhaltigkeit zu weit mehr als einem Trend entwickelt

Vom Nice-to-Have zum Must-Have

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wurde in den letzten Jahren schon recht strapaziert. Die Inhalte hinter dieser Bewegung haben aber nicht an Bedeutung verloren, im Gegenteil. Das Weltwirtschaftsforum bezeichnete die Nachhaltigkeit Anfang 2021 als eine Revolution, welche die Digitalisierung als den Motor der Wirtschaft ablösen wird. Wie die Verbraucher über nachhaltiges Agieren denken und wie nachhaltig sie einkaufen und leben, haben bereits zahlreiche Umfragen untersucht. Rund zehn Prozent der Bevölkerung – Tendenz deutlich steigend – sind absolute Überzeugungstäter. Diese Gruppe kauft bewusst ein und achtet auch im privaten Umfeld auf eine ökologische und soziale Lebensweise. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung greifen gerne auf nachhaltig erzeugte Waren zurück. Wenn aber Preis und Qualität
der Produkte aus ihrer Sicht nicht stimmen, geben sie Artikeln ohne den Aspekt der Nachhaltigkeit den Vorzug. Und ein knappes Drittel der Bevölkerung schenkt der Nachhaltigkeit kaum Aufmerksamkeit. Der Bewegung der Nachhaltigkeit liegt nicht nur der ökologische Gedanke zugrunde. Mit bisher rund 70 Prozent Beachtung ist dieser Aspekt sicher der maßgebliche, ihm folgen aber mit zunehmender Bedeutung der soziale und der ökonomische Aspekt. Dahinter verbergen sich neben sozialem Engagement des Unternehmens auch die Verantwortung für die Mitarbeiter. Mit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise wird ein Unternehmen in der Gesellschaft deutlich positiver wahrgenommen und erzeugt so eine ganz neue Attraktivität als potenzieller Arbeitgeber.

Nachhaltigkeit hat einen Haken

Und dieser Haken ist die enorme Breite des Themas, besonders in der Grünen Branche. Wo kann oder soll ein Blumenfachgeschäft, ein produzierendes Unternehmen, ein klassischer Endverkaufsbetrieb oder ein Gartencenter überhaupt ansetzen, seine Wirtschaftsweise zu ändern? Aufgrund der vielfältigen Ansätze und des notwendigen Sammelns von eigenen Erfahrungen ist Nachhaltigkeit in der Grünen Branche sicher keine kurzfristig umsetzbare Aktion, sondern kann im Grunde nur als aufbauender Prozess gedacht werden. Um Zeit und auch Kosten
zu sparen, sollte zu Beginn die Bestandsaufnahme stehen. Wo steht der Betrieb aktuell und in welchen Bereichen des Unternehmens wird bereits Nachhaltigkeit gelebt? Die darauffolgenden Fragen beziehen sich auf die Ziele. Sind diese auf die Umsetzbarkeit hin geprüft und fixiert, erfolgt die Planung. Als Roter Faden dient ein Nachhaltigkeitsbericht. Große Unternehmen sind verpflichtet selbigen zu erstellen. Andere Betriebe nutzen ihn als Arbeitsgrundlage und gleichzeitig auch als praktikables Marketinginstrument. Ein entscheidender Faktor auf dem Weg zu mehr nachhaltigem Handeln ist die Geschwindigkeit der Umsetzung. Ist der Prozess zu langsam, wird das Engagement nicht ernsthaft wahrgenommen. Gehen die Veränderungen zu
schnell vonstatten, besteht die Gefahr, Teile der Kunden zu verlieren, da sie mit den Veränderungen überfordert oder auch (noch) nicht bereit sind, an der ein oder anderen Stelle
höhere Preise zu bezahlen.

Nachhaltigkeit kommunizieren

Ein zentraler Punkt in diesem Zusammenhang ist die Kommunikation. Das Motto lautet ‚Tue Gutes und rede darüber‘. Viele Betriebe haben sich schon lange auf dem Weg nach mehr nachhaltigen Handeln gemacht. Häufig werden die Bemühungen von den Kunden nicht wahrgenommen, weil sie schlicht nicht vermittelt werden. Die möglichen Wege der Kommunikation haben sich nicht verändert. Zwei Strategien seien aber hervorgehoben: da gerade jüngere Menschen für das Thema Umwelt zu begeistern sind und es in zunehmendem Maße auch einfordern, führt kein Weg an der Kommunikation in den sozialen Medien vorbei. Der zweite Baustein ist das Team. Begeisterte Mitarbeiter:innen sind das Bindeglied von den
Produkten zum Kunden, sie vermitteln die neue Unternehmensphilosophie auf ganz persönliche Weise und sind die effektivste Form der Kommunikation.

Empfehlung für den Handel

Noch können Unternehmen Zeitpunkt und Geschwindigkeit ihres nachhaltigen Weges selbst bestimmen. Das Konsumentenverhalten ändert sich aber immer rascher und politische Vorgaben hinsichtlich ökologischer Wirtschaftsweise nehmen sehr wahrscheinlich zu. Deshalb ist es für alle Betriebe ratsam, die Reise zu mehr nachhaltigem Handeln zu beginnen. Eines ist sicher: Nachhaltigkeit ist zu Beginn kein Spaziergang, bereitet aber bereits nach wenigen Metern Freude und ist eine Bereicherung für alle, die daran teilhaben.